Ich und du

Text: Sandra Bauer-Wagner

In: DUM 91/2019: „Sandig – Von Bibione bis Burnout“.

„[…] Der Strand ist steinig. Wir breiten unser Strandtuch aus, das zu schmal für uns beide ist. Du legst dich auf den Rücken. Ich bleibe sitzen. Die Steine bohren sich in meinen Hintern. Ich schau aufs Meer. Die Wolken hängen tief. Wir wollten Sonne, Sommerbräune, blauen Himmel, blaues Meer. Wir kriegen Regenwolken, Gänsehaut, weißen Himmel und staubgraues Meer. Du steckst dir deine Kopfhörer in die Ohren und hörst die nicht enden wollende Geschichte einer Mystery Eule, die über irgendein Kingdom herrscht. Seit Wochen schon hörst du immer wieder diese Geschichte. Sie muss tausend Kapitel haben. Ich mag keine langen Geschichten. Was sich nicht auf zweihundert Seiten einfangen lässt, ist überflüssiges Geschwafel. Ich sehe dir beim Hören zu, sehe, wie du neben mir liegst, halb am Tuch, halb auf den Steinen, sehe, wie deine weiße Haut sich langsam rötet. Und meine Zehen spielen im Sand, der keiner ist.”

Auszug aus „Ich und du“, in: DUM 91/2019:
„Sandig – Von Bibione bis Burnout“.

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